DIE NATIONALE FRONT

Neonazis in der DDR

 

Erstausstrahlung am 01.02.2007 / ARD

Oktober 1987. Überfall auf die Ostberliner Zionskirche. Die Westberliner Band „Element of Crime“ gibt ein Konzert. Danach kommen Skinheads auf das Gelände, versuchen das Gotteshaus zu stürmen, schlagen auf junge Frauen und Männer ein. „Juden raus aus deutschen Kirchen!“, „Kommunistenschweine!“ und „Sieg heil!“ brüllen die „Glatzen“. Der RIAS meldet: „Neonazis in der DDR.“ Die sozialistische Presse ignoriert zunächst den Vorfall, verharmlost ihn später und schiebt alles auf westliche Einflüsse. Mit dieser Propaganda kommen Partei- und Staatsführung nicht weit. Längst werden Fragen laut. Warum sind am Abend des Übergriffes weder Staatssicherheit noch Volkspolizei eingeschritten? Wieso konnte dieser Gewaltausbruch überhaupt geschehen? Im Gerichtsprozess gegen die Angreifer auf die Zionskirche werden zunächst Bagatellestrafen verhängt. Die Öffentlichkeit in Ost und West ist erschüttert. Der Staat muss reagieren. Erich Honecker stimmt einer Verdopplung der Strafen zu. Das antifaschistische Selbstverständnis als Legimitation nach außen und innen ist wieder hergestellt. Die Angeklagten wurden zur Disponiermasse in einem politischen Prozess. Die DDR weigerte sich, die wahren Ursachen rechtsradikaler Erscheinungen zu hinterfragen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf! Der Film blickt zurück bis in die Anfänge der DDR. Wie wurde mit deutscher Vergangenheit, mit Faschismus in den vierzig Jahren der SED-Diktatur umgegangen? In den frühen 80er Jahren bildeten sich verschiedene subkulturelle Strömungen unter Jugendlichen heraus, die in klarer Opposition zum sozialistischen Staat standen. Die Vorbilder fanden die Akteure in der postmodernen westlichen Welt, adaptierten diese jedoch auf ihre konkrete sozial politische Situation im Osten. Waren es anfänglich eher linke Gruppierungen, wie Punks und Redskins, gründeten Mitte der 80er Jahre zunehmend Jugendliche ihre oppositionelle Haltung auf Nationalismus. Diese Haltung war für viele Jugendliche die stärkste Form der Opposition gegenüber den Machthabern. Ob nun selbst reflektiert oder eher aus Mitläufertum, die rechten Skinheads machten Ende der 80er Jahre aus ihrer politischen Anschauung keinen Hehl. Die DDR ignorierte die innenpolitische Situation. Dies produzierte nahezu einen Nationalismus und somit Neofaschismus. In der Dokumentation von Andreas K. Richter und Tom Franke kommen Konzertbesucher, Historiker, Kirchvertreter und Täter des Überfalls auf die Zionskirche zu Wort.

Der Film ist eine Produktion von armadaFILM, gefördert mit Mitteln der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur im Auftrag des Rundfunk Berlin-Brandenburg.

CREDITS

Autor: ANDREAS KUNO RICHTER, Kamera: TOM FRANKE, Ton: STEPHAN SCHÖBEL, Schnitt: DAVID RAUSCHNING, Fachberatung: DR: HENNING PIETZSCH, Musik: LOS BANDITOS, Sprecher: JOACHIM KERZEL, Tonmischung: SVEN PIESKER, Redaktion Stiftung Aufarbeitung: DR. SABINE ROSS, Redaktion rbb: JENS STUBENRAUCH, Produktion rbb: RAINER BAUMERT, Regie & Produktion: TOM FRANKE

Die DVD mit umfangreichen Begleitmaterial gibt es hier.

Rezension der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

 

2006