Honeckers Gastarbeiter

Vertragsarbeiter in der DDR
Fremde Freunde in der DDR

Erstausstrahlung am 16.11.2015 um 23:30 Uhr / ARD

Schon in den 60er Jahren kommen die ersten „Gastarbeiter“ in die DDR. Da steht noch ihre Ausbildung im Mittelpunkt. In den 1970er nimmt der Bürger sie im Alltag wahr und ein Jahrzehnt später sind sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der DDR. Die Industrie ist oft veraltet. Da man sich keine neuen, modernen Maschinen leisten kann, müssen die alten rund um die Uhr ausgelastet werden. Dazu benötigt man zusätzliche Arbeitskräfte. Insgesamt werden aus zehn befreundeten Ländern etwa 150.000 ausländische Arbeiter in die DDR kommen. Sie reisten im Namen der oft proklamierten Solidarität, sie waren in den Wohngebieten und Betrieben der DDR nicht mehr wegzudenken und doch bleiben sie für die meisten „fremde Freunde“. Die „Gastarbeiter“ waren über all die Jahre ein Tabuthema in der DDR.

In der Zeit des Umbruchs waren ihre Dienste nicht mehr gefragt. Die ostdeutschen Kollegen empfanden sie nun als Konkurrenten. Vor Ablauf der Verträge schickte man viele von ihnen nach Hause. Oder sie gingen freiwillig ob der zunehmenden rassistischen Gewalt in der einst „solidarischen DDR“. Die rassistischen Exesse vor Ausländerwohnheimen in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen waren der traurige Höhepunkt dieser Entwicklung.

Die Dokumentation will untersuchen, wie die „Gastarbeiter“ in der DDR gelebt haben und unter welchen Bedingungen sie arbeiteten.  Die Regeln ihres Aufenthaltes waren in staatlichen Verträgen genau aufgelistet, deshalb hießen sie offiziell „Vertrags-arbeiter“. Kontakte mit Einheimischen wurden durch die Verträge erschwert, außerhalb offizieller Veranstaltungen waren sie nicht erwünscht. Die DDR-Bürger informierte man kaum. Sie wurden überrascht, wenn plötzlich Hunderte Vietnamesen in der Kaufhalle auftauchten und das ohnehin schwierige Einkaufen zur Tortur wurde. Gerüchte machten die Runde. Bis heute glauben viele, dass die „Gastarbeiter“ mit Westgeld bezahlt wurden.  Mangelnde Informationen und der ungeübte Umgang mit Andersartigen führten immer wieder zu rassistischen Ressentiments, mal hinter vorgehaltener Hand, mal offen ausgelebt.

Eine Produktion von armadafilm, gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, im Auftrag des Rundfunk Berlin-Brandenburg.

CREDITS

Autor: LUTZ RENTNER, Kamera & Schnitt: TOM FRANKE, Ton: KAI-UWE KOHLSCHMIDT, KARSTEN GLÄSER, Fachberatung: GEORG LINDE, Aufnahmeleitung Maputo: INES & RAUL MUNGUAMBE, Musik: KAI-UWE KOHLSCHMIDT, Tonmischung: AXEL BOSCHMANN, Sprecher/in: WOLFGANG WAGNER/MOMO KOHLSCHMIDT, Redaktion Stiftung Aufarbeitung: DR. SABINE KUDER, Redaktion rbb: JENS STUBENRAUCH, Produktionsleitung rbb: RAINER BAUMERT, Regie & Produktion: TOM FRANKE

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2015